Tausende von Höhenmetern über dem Meer verbrachte unser Captain seine letzten Monate. Ach, wie wohlig er sich dabei fühle, rieb er der Crew wieder und wieder unter die Nase. So oft tat er dies, dass unsereins anfing zu zweifeln, ob er überhaupt je wieder runter von diesen gegipfelten, tektonischen Platten steigen möge. Nächte mit seemännischen Existenzängsten drückten auf den so arg benötigten Schlaf. Tage mit sorgenvoller Miene strapazierten die Gesichtsmuskulatur derart, dass Rum, Suppe und andere Flüssigkeiten nicht mehr von Zunge zu Gaumen und zu Speiseröhre transportiert werden konnten, sondern wie Wasserfälle übers Kinn eine permanente Bleibe im Dickicht der grauen Brusthaare fand. Leidender Seelen ertrugen wir dieses Dasein. Wir ertrugen es bis zum Tage, an welchem der erhabene Schiffsführer dann doch noch Einsicht hatte und verlauten liess, er sei nun heruntergestiegen vom unsäglichen Hochland. Herunter bis zum Fusse des salzigen Meeres, um hinauszuschauen. Hinaus in die Weite. Sein Blick verfing sich erst bei der denkwürdigen Stiefelzusatzinsel. Weit unten, nahe dem alten Kontinent. Salzfeuchte Luft, die Liebe des Meeres, setzte sich auf seinem flechsigen Herzen nieder und füllte seine arg durch Zigarettenrauch und Landluft verdorbenen Lungenflügel. Es zog ihn also doch noch zurück auf die hohe See. Er berichtete dies sogleich seiner Crew. Diese entgegnete der Botschaft vorerst ungläubig. “Raubte die schlechte Höhenluft dem Alten den letzten Verstand?”, fragte sich so mancher. Oder durfte man sich tatsächlich wieder der Hoffnung und Freude ergeben, bald mit Kiel und Finne durch das weite Nass zu mäandrieren. Es sollte sich herausstellen, dass des Seemanns Gebete tatsächlich erhört wurden. Welch Erleichterung auf Seele, vergilbtem Fleisch und hölzernen Gliedmass jedes Schwojerboy.
